Adresse

St. Nikolaus Oberndorf

Kirchstraße 3

86698 Oberndorf am Lech

St. Margaretha

Egilostraße1

86698 Eggelstetten

St. Nikolaus - Oberndorf

St. Margaretha - Eggelstetten

St. Nikolaus

Die St.-Nikolaus-Kirche in Oberndorf hat einen imposanten 38 Meter hohen Turm mit vier Glocken, der zum Gottesdienst ruft. Die Kirche wurde erstmals um das Jahr 1170 erwähnt und im Jahr 1781 geweiht. Es ist ein Neubau auf dem alten Presbyterium und Turm. Der Hochaltar ist dem Kirchenpatron, dem Heiligen Nikolaus, gewidmet und zeigt eine eindrucksvolle Darstellung der Dreifaltigkeit. Es gibt auch einen Marienaltar und einen besonderen Seitenaltar, der noch aus der Vorgängerkirche stammt und 30 kleine geschnitzte Reliefs aus der „Vita Jesu“ enthält. Die Deckenfresken stammen von Joseph Leitkrath und zeigen die Gutbruderschaft im Chor sowie die Verherrlichung des Heiligen Nikolaus im Langhaus. Die Kirche hat auch eine prächtige Kanzel, die von den allegorischen Figuren Glaube, Hoffnung und Liebe geschmückt wird, sowie Fenster aus dem 18. Jahrhundert, die Stiftungen der Patronatsfamilie Fugger von Glött sind.

– C. Hornung (gekürzt)

Oberndorf Kirche

Ortsgeschichte:

Oberndorf und Eggelstetten (mit Flein) gehören schon Jahrhunderte zusammen. Seit 1535 sind sie eine Pfarrei; sie waren bis 1627 und bilden seit 1978 wieder eine politische Gemeinde (Eggelstetten war zwischenzeitlich selbständig). Nach heutigen Erkenntnissen gehen die ältesten Siedlungen in diesem Raum auf die Kelten (etwa 500 v. Chr.) zurück. Als die Römer das Land beherrschten, sicherten sie bei Oberndorf einen wichtigen Lechübergang. Ab dem 3. Jahrhundert nahmen die germanischen Alamannen das Land in Besitz. Die Siedlung „Oberes Dorf“ gehört zur Urmark Genderkingen, der nördlich angrenzenden Gemeinde.

Um 1180 bestand bereits eine Pfarrei Oberndorf; von ihr aus wurden wohl Eggelstetten (Wohnstätte des Egilo) und Flein (Flien = angeschwemmter Boden) besiedelt.

Nicht nur in der Dorfgeschichte spielte etwa vom Jahre 1000 an bis ins 16. Jahrhundert ein Ortsadelsgeschlecht (Ortsname = Familienname) eine wichtige Rolle, das den Augsburger Bischöfen als Ministerialen (zuletzt sogar als Erbmarschälle und Erbtruchsesse) diente. Der letzte Spross verkaufte 1533 Schloß und Umland den reichen Fuggern in Augsburg.

Die Fugger besitzen heute noch das Patronatsrecht der Pfarrei, veräußerten jedoch das (nach der Vernichtung des alten Wasserschlosses im 30jährigen Krieg) zum Schloß ausgebaute frühere Wirtschaftsgebäude im Jahr 1975.

Die oben erwähnten Zerstörungen des 30jährigen Krieges von 1632/34 trafen Eggelstetten und Flein total sowie große Teile von Oberndorf; ,,Restbestände“ wurden noch kurz vor dem Friedensschluss 1648 dem Erdboden gleichgemacht.


Geschichte:

Zwischen 1170 und 1180 ist eine „ecclesia“ (also wohl eine Pfarrkirche) erwähnt, dem Augsburger Stift St. Ulrich und Afra zugehörig. Ein Eintrag in der Zeit von Markus Fugger (1529 – 1597) verweist auf ein neues Gotteshaus mit drei Altären zu Ehren von St. Nikolaus, St. Georg und der allerseligsten Gottesmutter.

Das im 30jährigen Krieg weitgehend zerstörte Bauwerk wurde wohl bis zum Jahre 1693 wieder einigermaßen hergerichtet. Bei der Vergrößerung 1773 blieb aber nur das Presbyterium teilweise erhalten. Neu errichtet wurde das Langhaus, und zwar um das jetzige Emporenjoch länger und um drei Schuh höher als der Altbau.

Schon 1776 folgte eine neue Orgel. Die vom Wettenhauser Stiftsbaumeister Josef Dossenberger d. J. projektierte Pfarrkirche erhielt am 26. August 1781 ihre Weihe. Die Kosten betrugen 4000 Gulden; 500 Gulden stiftete Pfarrer Brugger, der sich und seine Nachfolger auch zur Zahlung von weiteren 1000 Gulden verpflichtete, und 1000 Gulden schenkte die Wohltäterin Ursula Bairhammer. Der Regensburger Fürstbischof Anton lgnaz Graf Fugger steuerte 700 Gulden sowie das erforderliche Glas und Eisen bei. Unterlagen über den Turmbau (mit Kuppel und Kreuz 38 m hoch) fanden sich nicht, doch darf man davon ausgehen, dass auch der Turmunterbau noch von der früheren Kirche stammt. Die Kuppel wurde erst 1837 aufgesetzt.


Außenbau:

Die Kirche – inmitten des Dorfes und des erhöhten, ummauerten Friedhofes gelegen – weist im Langhaus vier Fensterachsen mit rundbogigen Lichtöffnungen auf; die Glasmalereien sind Stiftungen der Fugger aus der Zeit um 1900.

An der Südseite des eingezogenen Chors ist die Sakristei angebaut, daneben, nur von der Sakristei zugänglich, ist der Kanzelaufgang. Der First des Presbyteriums ist deutlich niedriger als der des Langhauses. Gebaut wurde mit Ziegeln; nur das (vermutlich ältere) Turmfundament besteht aus Bruchsteinen. Der weithin sichtbare Zwiebelturm ist in seiner Basis quadratisch und nördlich an den Chor angebaut. Die Schallöffnungen sind barock-rundbogig; darunter befindet sich die Uhr. Den zweigeschossigen Oktogon-Oberbau zieren Eck-Lisenen.


Innenraum:

Der helle, farbenfrohe Spätrokoko-Saal „lobt Gott in Stein, Stuck und Malerei“.

Das Schiff (18,56 m lang und 11,82 m breit) schließt über einer hohen Kehle eine flache Decke ab. Die Ecken zum Chor hin wurden für die Seitenaltäre abgeschrägt. Der Chor ist im Osten in drei Seiten geschlossen, vor denen sich der prächtige Nikolausaltar erhebt. Der ebenfalls abgeschrägte Chorbogen ist auffällig; das Langhaus gliedern Pilaster mit verkröpftem Gebälk. An den Chorflanken sind beiderseits Oratorien angefügt. Die Brüstungen der Doppelempore im Westen sind mit biblischen Szenen bemalt (20. Jahrhundert).


Altäre:

Der 1781 von Johann Michael Fischer (Dillingen) gefertigte Hochaltar weist vier Säulen und krönende Vasen auf. Das Altarblatt von Josef Leitkrath zeigt den Patron St. Nikolaus, darüber erinnert das Wappen des Fuggerschen Füstbischofs von Regensburg an dessen Finanzbeitrag. Zwischen den Säulen stehen die lebensgroßen Schnitzfiguren von St. Joachim und St. Joseph. Der Auszug trägt ein Bild des hl. Michael, des Patrons der in Oberndorf starken „Bruderschaft vom hochwürdigsten Gut“. Besonders erwähnenswert ist auch die Darstellung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit im oberen Teil des Altarbildes.

Den sog. Frauenaltar (Nordseite, 1776) mit reichem Stuck zieren eine Strahlenmadonna (neubarock) und aus dem 18. Jahrhundert die Statuen der Pestheiligen St. Sebastian und Rochus sowie im Auszug das Herz Mariens.

Der rechte Seitenaltar stammt wohl aus der alten Kirche. Herzstück sind 30 kleine geschnitzte Reliefs mit Szenen aus dem Leben und Wirken Jesu bis zu dessen Verherrlichung. Uber die Herkunft und den beachtenswerten Künstler weiß man nichts. Norbert Lieb schließt den Umkreis der Augsburger Meister Hans Kels (Vater und Sohn; 16. Jahrhundert) nicht aus. Das Mittelbild „Stigmatisation des hl. Franz von Assisi“ dürfte rund 100 Jahre später entstanden sein. Die Wappen lassen hier eine Stiftung des Grafen Ernst Fugger und seiner aus dem Oettinger Geschlecht stammenden Gattin Maria Theresia erkennen (beide starben 1710). Ein weiteres Franziskusbild – allerdings des Franz Xaver – schmückt den Auszug.

Eine bemerkenswerte Arbeit stellt das mehr volkstümlich gehaltene Ölbergrelief (18. Jahrhundert) dar, das in der Fastenzeit an diesem Altar gezeigt wird.


Kanzel:

Die beachtenswerte Kanzel aus dem späten Rokoko (1776?) stifteten der Fuggersche Pfleger Joh. Christoph Bernhard de Gratter (+ 1769) und seine Frau Maria Barbara (+1760). Der geschwungene Korpus ist braun-grünlich marmoriert; die drei Schnitzfiguren verkörpern Glaube, Liebe und Hoffnung. Den schmucken Kanzeldeckel krönen über sogenannten Lambrequins (Querbehänge) Putten und ein Posaunenengel.

Die Fresken stammen von Joseph Leitkrath. Im Chor wird die (aus Anlass des Kirchenneubaues gegründete) Gutsbruderschaft gewürdigt: im Langhaus sieht man Wahl und Verherrlichung des hl. Nikolaus, des Helfers der Notleidenden, Kranken und Sterbenden, des Seefahrer-Patrons, des Schirmherrn der Kirche und des Fürbitters der Oberndorfer. – Über dem linken Oratorium ist Christus mit der Samariterin beim Brunnen, über dem rechten Christus in Emmaus dargestellt.

Der Stuck mit seinem reichen Muschelwerk ist Wessobrunner Art und typisch für das späte Rokoko. Wer der Stukkator war, ist jedoch nicht bekannt. Das Allianz-Wappen Fugger/Firmian über dem Chorbogen erinnert an Graf Sebastian Xaver (+1763) und seine Gattin Elisabeth (+1782).

Der mit einer barocken Muschelschale abgedeckte Taufstein trägt eine Darstellung der Taute Jesu. – Der Orgelprospekt stammt von 1776; die alte Orgel wurde 1877 ersetzt und 1964-1966 erweitert. Chorgestühl, Stuhlwangen und die Beichtstühle wurden wohl auch um 1776 geschnitzt. – Der Kreuzweg wird Leitkrath zugeschrieben.

Beachtung verdienen die Prozessionsfiguren (Stangenheiligen) Nikolaus und Urban sowie mehrere Epitaphe, vor allem die beidseits am Chorbogen angebrachten klassizistischen Werke. Eine Bereicherung erfährt die Kirche durch sechs Reliquienschreine die 1853 geschenkt wurden (aber sicher älter sind) und die man 1989/90 umfassend restauriert hat. An der Chor-Ostwand hinter dem Altar ist noch ein gut erhaltenes Steinwappen der Herren von Oberndorf aus dem Jahre 1444 zu sehen.


Vasa sacra:

Beachtenswert sind etliche Augsburger Silberschmiedearbeiten aus dem 18. Jahrhundert: die vergoldete Monstranz mit Silberstatuetten (Gottvater, HI. Geist, St. Nikolaus, St. Ulrich und die Verkündigung Mariens), eine Monstranz für einen Kreuzpartikel und eine für die Nikolaus-Reliquie sowie kunstvolle Kelche.

St. Margaretha - Eggelstetten

Kirche Eggelsetten

Die Margaretenkirche in Eggelstetten ist ein ovaler Zentralbau mit Anbauten, der zwischen 1733 und 1738 errichtet wurde, nachdem der Vorgängerbau im 30-jährigen Krieg fast vollständig zerstört worden war. Ihr Turmunterbau stammt noch aus dem 14./15. Jahrhundert, die barocke Kuppel kam erst 1845 hinzu. Geweiht wurde die Kirche 1781 durch Weihbischof von Ungelter – nur einen Tag nach der Oberndorfer Pfarrkirche. Der Hochaltar stammt aus der Werkstatt von Johann Michael Fischer aus Dillingen und zeigt eine Schnitzfigur der Kirchenpatronin, der Heiligen Margareta, flankiert von den Heiligen Franz Xaver und Antonius von Padua. Die beiden Seitenaltäre bergen eine Pieta sowie eine Ecce-homo-Figur aus dem Rokoko. Die Deckenfresken schuf um 1770 Joseph Leitkrath: Sie zeigen im Langhaus die Enthauptung der hl. Margareta, im Chor die Geburt Christi und in den Eckmedaillons die vier großen Kirchenlehrer. Die Kanzel aus dem Hochbarock (um 1670) wurde ursprünglich für die Kirche in Flein geschnitzt und trägt Statuetten der vier Evangelisten.

(gekürzt)

Geschichte:

Vermutlich bestand schon vor dem Jahre 1400 in Eggelstetten ein Gotteshaus, aber urkundlich nachgewiesen ist es erst im ausgehenden 15. Jahrhundert.

Die Kirche mit drei Altären (St. Margareta, St. Johann Baptist und St. Sebastian) wurde im 30jährigen Krieg erheblich beschädigt. Im Jahre 1642 beklagt ein Chronist: „Es sind über 40 Häuser dagewessen, aber von den Schweden … ist alles auf zweimal auf den Boden abgebrannt worden, so dass kein Mensch mehr hier wohnet. Nur die Margaretenkirche steht noch, ist aber ganz verwüstet, zerrissen, ohne Bänke und Fenster.“ Und ein Visitator schrieb 1686, dass die Kirche noch dieselbe Ruine sei wie früher.

Das jetzige Gotteshaus wurde zwischen 1733 und 1738 errichtet; der Grundriss ist der Oberndorfer Herrgottsruh-Kapelle ähnlich: ein ovaler Zentralbau mit Anbauten. Der Turmunterbau (heute Sakristei) dürfte noch aus dem 14./15. Jahrhundert stammen; der Turmaufbau wurde 1760 aufgemauert, die barocke Kuppel aber erst 1845 aufgesetzt, weil das Geld zunächst nur für Langhaus und Chor gereicht hatte. Auch Empore und Kanzel kamen erst später hinzu. Nach dem Einbau der zweiten Empore 1789 wurde eine Orgel angeschafft; bis dahin trug man an Festtagen eine kleine Orgel von Oberndorf zur Filialkirche St. Margareten, die – nur um einen Tag gegenüber der Oberndorfer Kirche versetzt – Weihbischof von Ungelter 1781 konsekrierte.

Die Fresken stammen von Joseph Leitkrath und sind in Farbe, Aufbau und Gestaltung typisch für das Rokoko: an der Decke des Langhauses die Enthauptung von St. Margareta, im Chor die Geburt Christi, in den Eckmedaillons die vier großen abendländischen Kirchenlehrer Hieronymus, Augustinus, Gregor und Ambrosius und über der Orgel die hl. Cäcilia. Die Fresken wurden um 1770 geschaffen. Die sechs Bilder an den Emporenbrüstungen (Attribute der göttlichen Tugenden, Barmherziger Samariter, hl. Longinus und Taufe Christi) sind mit Muschelwerk umrahmt.


Altäre:

Der Haupt- und der nördliche Seitenaltar (beide schon klassizistisch) stammen aus der Werkstätte des Johann Michael Fischer aus Dillingen; den südlichen Seitenaltar übernahm man wohl aus der alten Oberndorfer Kirche.

In der Rundbogennische des Hauptaltars (1789) steht eine Schnitzfigur der hl. Margareta von 1740/50, flankiert von oben glatten und unten kannelierten Säulen sowie den Figuren der hll. Franz Xaver und Antonius von Padua. Tabernakel und Auszug zieren Engel (letztere halten eine Krone) und hohe Vasen.

Der nördliche Seitenaltar (ebenfalls 1789) ist säulenlos und umschließt in seiner Mittelnische eine Pieta (etwa um 1750); im Auszug das Herz Jesu.

Der marmorierte rechte Seitenaltar ist seiner ganzen Gestaltung und seinem Golddekor nach noch ganz dem Rokoko zuzurechnen. Das gilt auch für die bewegte, unterlebensgroße Schnitzstatue des Ecce homo und die sie umgebenden Engel mit den Leidenswerkzeugen.

An dieser Stelle stand ursprünglich ein im Jahre 1735 eigens für die Eggelstetter Filialkirche von Johann Georg Bschorer geschaffener Altar mit einer qualitätvollen Maria Immaculata; die Holzplastik gelangte in den Besitz des Kaiser-Friedrich-Museums in Berlin und wurde im zweiten Weltkrieg zerstört.


Übrige Ausstattung:

Die Kanzel entstammt dem Hochbarock und wurde um 1670 für das Kirchlein in Flein geschnitzt. Den vieleckigen Kanzelkörper gliedern korinthische Säulen; in Muschelwerk-Nischen stehen Statuetten der Evangelisten.

Die gold-weiß gefasste Figur an der rechten Apsiswand stellt St. Johannes Nepomuk dar, neben den Seitenaltären sind die hll. Leonhard und Antonius von Padua (beide um 1780 geschnitzt) zu erkennen, und auch die Stangenheiligen sind beachtenswert.

Der Beichtstuhl fügt sich gut ein, stammt jedoch erst aus dem 20. Jahrhundert.

Keine Künstlerhinweise gibt es für den um 1770 in Öl auf Leinwand gemalten Kreuzweg.

Das Epitaph aus Solnhofer Stein vor dem Hochaltar erinnert an den früh verstorbenen Kaplan Matthias Pest (+ 27. 4. 1726), der seine ganze Hinterlassenschaft den Kirchen der Pfarrei vermachte.

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